La Isla - Archive eine Tragödie
Deutschland/Guatemala 2009
85'
OmU
Regie Uli Stelzner
Der vergessene Völkermord in Guatemala
Unfassbare 36 Jahre lang dauerte der Bürgerkrieg in Guatemala an, der sich vom Jahre 1960 bis ins Jahr 1996 erstreckte. In ihm kämpften vier linke Guerillagruppe (zusammengeschlossen in der Unidad Revolucionaria Nacional Guatemalteca) gegen die wechselnden Militärjuntas, die im Laufe der Auseinandersetzungen
zwischen 150.000 bis 250.000 Menschen (meist indigene Zivilisten)
verschleppten und ermordeten. Trotz dieser Tragödie ungeheuren Ausmaßes
sind die Verbrechen bis heute ungesühnt, weil eine Mauer des Schweigens
um die Gräueltaten errichtet und Beweise für den Völkermord systematisch unterdrückt wurden. Dies änderte sich erst, als im Jahre 2005 eine gewaltige Explosion Guatemala-Stadt erschütterte. Als sich die Staubwolke legte, wurde in den Trümmern das geheime Archiv der Nationalpolizei entdeckt, in der die Verbrechen minutiös festgehalten worden waren. Das Gelände der heutigen Polizeiakademie, auf dem sich die Explosion ereignete, beherbergte früher "La Isla", das Geheimgefängnis der Policia Nacional, das der zentrale Ort eines Jahrzehnte währenden Unrechtsregimes war.
Seit diesem Zeitpunkt hat sich eine Gruppe junger Leute – die meisten von ihnen sind die Hinterbliebenen von Ermordeten und Verschwundenen – daran gemacht, die 80 Mio. zum Teil zerstörten Akten zu sichten und so die Mauer des Schweigens und den Fluch des Vergessens abzuschütteln. Und zugleich erschüttert die Suche nach der Wahrheit und die Dokumentation die Grundfeste der Gesellschaft des Landes, denn viele der damaligen Täter sind auch heute noch in Amt und Würden und gehören nach wie vor zur Elite des Landes. Der Filmemacher Uli Stenzel, der als erster Regisseur überhaupt Zutritt zu dem Archiv erhielt, hat dem unermüdlichen Kampf um die Wahrheit seinen Film La Isla – Archive einer Tragödie gewidmet. Es ist ein sehr eindrücklicher Film geworden, der zeigt, welche aufklärerische Kraft auch heute noch in Dokumentarfilmen stecken kann.
(Joachim Kurz)
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